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Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026
Sauberkeit ist kein Luxus. Sie ist eine Grundlage für Gesundheit, Wohlbefinden und ein funktionierendes Leben. Dass Menschen bereit sind, gutes Geld für professionelle Reinigung zu bezahlen, ist kein Zeichen von Faulheit – es ist eine Anerkennung dessen, dass diese Arbeit Wert hat.
Wer als Reinigungskraft arbeitet, sorgt dafür, dass Familien in einem sauberen Zuhause leben können. Dass Berufstätige nach einem langen Tag nicht noch drei Stunden putzen müssen. Dass ältere Menschen in einer gepflegten Wohnung wohnen können, die sie selbst nicht mehr instand halten können. Das ist keine niedere Arbeit. Das ist ein Dienst, der das Leben anderer Menschen besser macht.
Dieser Guide ist für alle, die überlegen, als Putzhilfe zu arbeiten – sei es als Nebenverdienst, als Wiedereinstieg ins Berufsleben oder als eigenständiger Beruf. Er zeigt, was du realistisch verdienen kannst, welche rechtlichen Wege es gibt, und wie du dir einen stabilen Kundenstamm aufbaust.
Was du verdienen kannst – ehrliche Zahlen
Die Verdienstspanne in der Reinigung ist größer, als viele denken. Sie hängt davon ab, wie du arbeitest, für wen du arbeitest und wie du dich positionierst.
Als Angestellte bei einer Reinigungsfirma liegt der Kollektivvertragslohn für Unterhaltsreinigung (Büros, Verwaltungsgebäude) bei etwa 12 Euro brutto pro Stunde. Mit Erfahrung, Spezialisierung oder Leitungsfunktion steigt das auf 13 bis 14,50 Euro. Dazu kommen Zuschläge für Nacht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit. Bei Vollzeit (38 Stunden) bedeutet das etwa 1.680 bis 1.900 Euro brutto monatlich.
In Privathaushalten sind die Stundenlöhne deutlich höher. Der Mindestlohn für Reinigungskräfte in Privathaushalten laut Dienstleistungsscheck-Verordnung liegt 2026 bei etwa 16,22 Euro pro Stunde (inklusive Urlaubsersatz und Sonderzahlungen). In der Praxis zahlen viele Haushalte zwischen 15 und 20 Euro netto – je nach Region, Aufgabenumfang und Zuverlässigkeit.
Als Selbstständige mit Gewerbeschein bestimmst du deinen Preis selbst. 18 bis 25 Euro pro Stunde sind üblich, bei Spezialreinigungen (Grundreinigung, Fenster, Umzugsreinigung) auch mehr. Dein effektiver Stundenlohn hängt dann davon ab, wie gut du deine Aufträge planst und wie wenig Zeit zwischen den Kunden verloren geht.
Ein konkretes Rechenbeispiel:
Du arbeitest 20 Stunden pro Woche in Privathaushalten, zu durchschnittlich 17 Euro pro Stunde.
Das sind 340 Euro pro Woche, etwa 1.360 bis 1.480 Euro pro Monat – abhängig von der Anzahl der Wochen.
Bei 25 Stunden pro Woche und 18 Euro Stundenlohn sind es bereits 1.800 bis 1.950 Euro monatlich.
Das ist ein solides Einkommen für eine Teilzeittätigkeit – und mehr als viele andere Nebenjobs bieten.
Die drei Wege, legal zu arbeiten
In Österreich gibt es drei saubere Wege, als Reinigungskraft zu arbeiten. Jeder hat Vor- und Nachteile.
Weg 1: Der Dienstleistungsscheck (DLS)
Der Dienstleistungsscheck wurde geschaffen, um Arbeit in Privathaushalten einfach und legal zu machen. Er eignet sich besonders für den Einstieg oder wenn du für mehrere Haushalte arbeitest.
So funktioniert es: Der Haushalt, für den du arbeitest, kauft Dienstleistungsschecks (online, in der Trafik oder bei der Post) und gibt sie dir als Bezahlung. Du reichst sie bei der Versicherungsanstalt (BVAEB) ein und bekommst das Geld auf dein Konto überwiesen.
Die Obergrenze liegt bei 755,01 Euro pro Monat pro Auftraggeber (das entspricht der Geringfügigkeitsgrenze plus Urlaubsersatz und Sonderzahlungen). Du kannst aber für mehrere Haushalte arbeiten und so insgesamt mehr verdienen.
Mit dem DLS bist du automatisch unfallversichert. Für Kranken- und Pensionsversicherung kannst du dich freiwillig versichern – das kostet 2026 etwa 83,49 Euro im Monat, gibt dir aber vollen Versicherungsschutz und sammelt Pensionszeiten.
Vorteile: Kein Papierkram für dich, der Haushalt übernimmt alles. Sofort einsatzbereit. Unfallversicherung inklusive.
Nachteile: Begrenzt auf die Geringfügigkeitsgrenze pro Haushalt. Keine automatische Krankenversicherung.
Weg 2: Geringfügige Anstellung in einem Haushalt
Wenn du regelmäßig für einen Haushalt arbeitest (nicht nur sporadisch), kann dich dieser als geringfügig Beschäftigte anmelden. Das läuft über die ÖGK und ist für den Haushalt etwas mehr Aufwand, bietet dir aber mehr Stabilität.
Die Geringfügigkeitsgrenze liegt 2026 bei 551,10 Euro brutto pro Monat. Du bist dann unfallversichert, kannst dich freiwillig kranken- und pensionsversichern, und hast Anspruch auf Urlaub und Sonderzahlungen.
Vorteile: Stabile, wiederkehrende Einnahmen. Arbeitsrechtlicher Schutz.
Nachteile: Der Haushalt muss als Arbeitgeber agieren (Anmeldung, Lohnverrechnung). Für die meisten Privathaushalte zu aufwändig, wenn es nur um ein paar Stunden pro Woche geht.
Weg 3: Freies Gewerbe „Hausbetreuung“
Wenn du selbstständig arbeiten willst, eigene Kunden akquirierst und deinen Preis selbst bestimmst, brauchst du einen Gewerbeschein. Für die Reinigung von Privathaushalten und Stiegenhäusern reicht das freie Gewerbe „Hausbetreuung“ – dafür brauchst du keine Ausbildung und keine Prüfung.
Die Anmeldung erfolgt bei der Bezirkshauptmannschaft, dem Magistrat oder online über GISA. Kosten: ab etwa 50 Euro, für Neugründer oft gebührenbefreit.
Mit einem Gewerbeschein bist du über die SVS (Sozialversicherung der Selbstständigen) pflichtversichert. Bei geringem Gewinn (unter 6.613,20 Euro im Jahr) kannst du eine Befreiung beantragen.
Vorteile: Volle Freiheit bei Preisen, Arbeitszeiten, Kundenauswahl. Professionelleres Auftreten. Keine Obergrenzen beim Einkommen.
Nachteile: Du musst dich selbst um Steuererklärung, Sozialversicherung und Kundenakquise kümmern. Krankheit und Urlaub sind nicht bezahlt.
Welcher Weg passt zu dir?
Für den Einstieg oder nebenberuflich: Dienstleistungsscheck.
Für einen festen Haushalt mit regelmäßigen Stunden: Geringfügige Anstellung.
Für volle Selbstständigkeit mit mehreren Kunden: Freies Gewerbe.
Was du wirklich können musst
Die Arbeit als Reinigungskraft erfordert mehr als einen Putzlappen und guten Willen. Wer langfristig erfolgreich ist, bringt bestimmte Fähigkeiten mit – oder entwickelt sie.
Gründlichkeit und Auge fürs Detail
Kunden bemerken, was nicht gemacht wurde, nicht was gemacht wurde. Ein übersehener Staubrand, ein Fleck auf dem Spiegel, eine vergessene Ecke – das fällt auf. Systematisches Arbeiten hilft: immer in der gleichen Reihenfolge vorgehen, nichts auslassen, am Ende kontrollieren.
Zuverlässigkeit
Pünktlichkeit und Verbindlichkeit sind in dieser Branche Gold wert. Wer einmal zusagt, muss kommen. Wer absagt, muss es rechtzeitig tun. Kunden buchen Reinigungskräfte oft, weil sie selbst keine Zeit haben – eine kurzfristige Absage bringt ihren ganzen Tag durcheinander.
Diskretion
Du kommst in die intimsten Räume von Menschen. Du siehst, wie sie leben, was sie kaufen, welche Medikamente im Schrank stehen. Diese Informationen bleiben bei dir. Immer. Ohne Ausnahme. Diskretion ist die Grundlage für Vertrauen, und Vertrauen ist die Grundlage für langfristige Kundenbeziehungen.
Wissen über Materialien und Reinigungsmittel
Welches Mittel für welche Oberfläche? Was darf nicht mit Säure behandelt werden? Wie reinigt man Naturstein, Parkett, Edelstahl? Dieses Wissen schützt dich vor teuren Fehlern und macht dich professioneller. Du musst keine Ausbildung haben, aber du solltest dich einlesen und dazulernen.
Körperliche Fitness
Reinigung ist körperliche Arbeit. Du bist auf den Beinen, bückst dich, streckst dich, trägst Eimer und Geräte. Das ist kein Bürojob. Wer gesundheitliche Einschränkungen hat, sollte ehrlich prüfen, ob die Arbeit langfristig machbar ist – und im Zweifel mit weniger Stunden beginnen.
So findest du deine ersten Kunden
Der schwierigste Teil ist oft der Anfang. Woher kommen die ersten Aufträge?
Dein persönliches Netzwerk
Erzähl Freunden, Familie, Nachbarn, dass du als Reinigungskraft arbeitest. Nicht als Bitte um Almosen, sondern als sachliche Information. „Ich biete jetzt professionelle Haushaltsreinigung an, falls du jemanden kennst, der Unterstützung braucht.“ Viele erste Kunden kommen über persönliche Empfehlungen.
Lokale Plattformen
Auf Lokali suchen Menschen aus deiner Nachbarschaft konkret nach Hilfe im Haushalt. Du siehst, was gebraucht wird, meldest dich, und kannst direkt loslegen. Kein kompliziertes Bewerbungsverfahren, keine Agentur dazwischen.
Schwarze Bretter und lokale Facebook-Gruppen
In vielen Gemeinden gibt es Gruppen, in denen Dienstleistungen angeboten und gesucht werden. Ein kurzer, professioneller Post kann Anfragen bringen.
Empfehlungen von zufriedenen Kunden
Dein stärkstes Marketinginstrument sind zufriedene Kunden, die dich weiterempfehlen. Nach ein paar Monaten guter Arbeit kannst du höflich fragen: „Wenn Sie mit meiner Arbeit zufrieden sind, würde ich mich freuen, wenn Sie mich weiterempfehlen.“ Die meisten Menschen tun das gerne.
Was gute Reinigungskräfte anders machen
Der Unterschied zwischen einer Reinigungskraft, die ständig neue Kunden suchen muss, und einer, die mehr Anfragen hat als Kapazität, liegt oft in Details.
Sie kommunizieren klar
Vor dem ersten Einsatz: Was genau soll gereinigt werden? Wie oft? Gibt es besondere Wünsche? Welche Räume haben Priorität? Diese Fragen im Voraus zu klären, verhindert Enttäuschungen auf beiden Seiten.
Sie respektieren das Zuhause des Kunden
Schuhe ausziehen, wenn der Kunde das möchte. Nichts verschieben ohne Grund. Keine Schränke öffnen, die nicht geöffnet werden müssen. Das Zuhause eines Menschen ist sein privater Raum – du bist Gast, auch wenn du bezahlt wirst.
Sie sind ehrlich bei Schäden
Etwas ist kaputtgegangen? Sofort ansprechen, nicht verstecken. Ehrlichkeit in schwierigen Momenten baut mehr Vertrauen auf als alles andere. Die meisten Kunden reagieren verständnisvoll, wenn man offen mit Fehlern umgeht.
Sie verbessern sich kontinuierlich
Neue Reinigungstechniken ausprobieren. Effizientere Arbeitsabläufe entwickeln. Feedback annehmen. Wer nach drei Jahren genauso arbeitet wie am ersten Tag, verpasst Potenzial.
Häufige Fragen – ehrlich beantwortet
Brauche ich eine Ausbildung?
Nein. Für die Reinigung von Privathaushalten und Stiegenhäusern ist keine formale Ausbildung nötig. Das freie Gewerbe „Hausbetreuung“ kannst du ohne Nachweis anmelden. Für spezialisierte Reinigung (Fassaden, Denkmäler, industrielle Reinigung) braucht man allerdings das reglementierte Gewerbe mit Meisterprüfung.
Muss ich meine eigenen Reinigungsmittel mitbringen?
Das ist Vereinbarungssache. Manche Kunden stellen alles bereit, andere erwarten, dass du dein eigenes Material mitbringst. Kläre das vorher und kalkuliere es in deinen Preis ein, wenn du Mittel selbst kaufst.
Was mache ich bei Krankheit?
Wenn du angestellt bist (auch geringfügig), hast du Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Beim Dienstleistungsscheck und als Selbstständige gibt es das nicht – du verdienst nur, wenn du arbeitest. Eine Selbstversicherung bei der ÖGK oder SVS gibt dir zumindest Krankengeld nach einer Wartezeit.
Wie viel sollte ich pro Stunde verlangen?
Für Privathaushalte: mindestens 15 Euro netto, besser 17 bis 20 Euro. Darunter lohnt sich die Arbeit kaum, wenn man Anfahrt und Verschleiß einrechnet. In Ballungsräumen wie Wien sind auch 20 bis 22 Euro üblich. Für Grundreinigungen oder Spezialaufgaben kannst du mehr verlangen.
Was ist mit Schwarzarbeit – lohnt sich das nicht mehr?
Nein. Abgesehen davon, dass es illegal ist, riskierst du bei einem Unfall alles. Keine Versicherung, keine Absicherung, und bei einer Kontrolle drohen dir und dem Haushalt Strafen bis zu mehreren tausend Euro. Der Dienstleistungsscheck macht legales Arbeiten so einfach, dass es keinen Grund für Schwarzarbeit mehr gibt.
Die richtige Einstellung
Reinigung ist körperlich anspruchsvoll, manchmal monoton, und gesellschaftlich unterschätzt. Trotzdem gibt es Menschen, die diesen Beruf seit Jahrzehnten machen und damit zufrieden sind. Was ist ihr Geheimnis?
Sie sehen den Wert ihrer Arbeit.
Wenn du einen chaotischen Raum betrittst und ihn sauber und ordentlich verlässt, hast du etwas geschaffen. Etwas Greifbares, Sichtbares, Nützliches. Das ist mehr, als viele Bürojobs bieten können.
Sie haben Grenzen.
Sie lassen sich nicht ausnutzen. Sie arbeiten nicht unter Wert. Sie nehmen keine Kunden an, die respektlos sind. Die Fähigkeit, Nein zu sagen, ist ein Zeichen von Professionalität, nicht von Arroganz.
Sie planen langfristig.
Auch wenn die Arbeit körperlich ist, kann sie über Jahre tragfähig sein – wenn man auf sich achtet. Gute Schuhe, richtige Körperhaltung, Pausen, Ergonomie bei den Werkzeugen. Wer seinen Körper ruiniert, kann nicht arbeiten.
Dein erster Schritt
Der Einstieg als Putzhilfe ist einfacher als bei vielen anderen Tätigkeiten. Du brauchst keine Ausbildung, kein großes Startkapital, keine Bewerbungsmappe. Du brauchst Zuverlässigkeit, Gründlichkeit und die Bereitschaft, anzufangen.
Wenn du noch unsicher bist, starte klein. Ein Auftrag über den Dienstleistungsscheck. Ein Haushalt aus dem Bekanntenkreis. Drei Stunden pro Woche. Schau, wie es sich anfühlt. Wenn es passt, kannst du ausbauen.
Auf Lokali findest du Menschen aus deiner Nachbarschaft, die genau jetzt Unterstützung im Haushalt suchen. Keine Agentur, keine Gebühren, direkter Kontakt. Melde dich an, schau dir die Aufträge an, und entscheide selbst, was zu dir passt.
→ Aufträge in deiner Nähe finden
Fazit
Als Reinigungskraft zu arbeiten ist eine ehrliche Tätigkeit mit ehrlichem Verdienst. Du hilfst Menschen, du schaffst Ordnung, du wirst dafür bezahlt. Das ist ein fairer Deal.
Wie viel du verdienst und wie wohl du dich dabei fühlst, hängt davon ab, wie du vorgehst. Legal arbeiten, faire Preise verlangen, zuverlässig sein, Grenzen setzen. Wer das beherzigt, kann sich als Reinigungskraft ein stabiles Einkommen aufbauen – und einen Beruf, auf den man nicht herabschauen muss.
Denn Sauberkeit hat Wert. Und die Menschen, die dafür sorgen, haben ihn auch.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Für Fragen zu Sozialversicherung und Gewerberecht wende dich an die ÖGK, SVS, WKO oder Arbeiterkammer.
Quellen:
- wko.at – Kollektivvertrag Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigung 2025
- oesterreich.gv.at – Dienstleistungsscheck
- gesundheitskasse.at – Geringfügige Beschäftigung
- bvaeb.at – Erläuterungen zum Dienstleistungsscheck
- arbeiterkammer.at – Dienstleistungs-Scheck