Steuererklärung für Nebenjobber in Österreich: Wann du eine machen musst

Du hast einen Nebenjob und fragst dich, ob du eine Steuererklärung machen musst? In Österreich ist das nicht immer nötig – allerdings gibt es Situationen, in denen du sogar zur Abgabe verpflichtet bist. In diesem Guide erfährst du alles zur Steuererklärung für Nebenjobber in Österreich: Wann sie Pflicht ist, wann sie sich lohnt und wie du dabei vorgehst.

Steuererklärung oder Arbeitnehmerveranlagung?

Zunächst ein wichtiger Punkt zur Begrifflichkeit. In Österreich heißt die Steuererklärung für Angestellte offiziell Arbeitnehmerveranlagung (früher „Lohnsteuerausgleich“). Der Begriff „Steuererklärung“ wird umgangssprachlich jedoch oft verwendet.

Arbeitnehmerveranlagung: Für Angestellte und geringfügig Beschäftigte

Einkommensteuererklärung: Für Selbständige und Gewerbetreibende

Wenn du einen Nebenjob als Angestellter hast (auch geringfügig), machst du eine Arbeitnehmerveranlagung. Bei selbständiger Nebentätigkeit ist es hingegen eine Einkommensteuererklärung.

Wann ist die Steuererklärung für Nebenjobber in Österreich Pflicht?

Es gibt klare Fälle, in denen du zur Abgabe verpflichtet bist. Die Steuererklärung für Nebenjobber in Österreich wird zur Pflicht, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind.

Pflichtveranlagung bei mehreren Arbeitgebern

Wenn du im selben Kalenderjahr zwei oder mehr Arbeitgeber gleichzeitig hattest, bist du zur Arbeitnehmerveranlagung verpflichtet. Das betrifft somit alle, die:

  • Einen Hauptjob und einen geringfügigen Nebenjob haben
  • Mehrere geringfügige Jobs gleichzeitig ausüben
  • Während des Jahres den Arbeitgeber gewechselt haben und zeitweise bei beiden angestellt waren

Warum? Bei jedem Arbeitgeber wird die Lohnsteuer so berechnet, als wäre es dein einziges Einkommen. Dadurch wird möglicherweise zu wenig Steuer abgezogen. Das Finanzamt rechnet daher am Jahresende nach.

Pflichtveranlagung bei selbständigen Nebeneinkünften

Wenn du neben deinem Hauptjob selbständig dazuverdienst, gilt:

  • Über €730 Gewinn pro Jahr: Pflichtveranlagung
  • Unter €730 Gewinn pro Jahr: Keine Pflicht (Veranlagungsfreibetrag)

Der Veranlagungsfreibetrag von €730 gilt allerdings nur für Nebeneinkünfte. Sobald du diesen Betrag überschreitest, musst du eine Steuererklärung für deinen Nebenjob in Österreich abgeben.

Pflichtveranlagung bei bestimmten Bezügen

Du bist ebenfalls zur Abgabe verpflichtet, wenn du im Jahr:

  • Arbeitslosengeld, Notstandshilfe oder Krankengeld erhalten hast
  • Bestimmte steuerfreie Einkünfte über €22 hattest
  • Vom Finanzamt dazu aufgefordert wirst

Mehr zu den Grundlagen: Geringfügigkeitsgrenze 2026

Wann lohnt sich die freiwillige Steuererklärung?

Auch wenn du nicht verpflichtet bist, kann sich die Arbeitnehmerveranlagung lohnen. Viele Nebenjobber bekommen nämlich Geld zurück.

Du bekommst wahrscheinlich Geld zurück, wenn:

Du nur einen Teil des Jahres gearbeitet hast – Die Lohnsteuer wird so berechnet, als würdest du das ganze Jahr gleich viel verdienen. Hast du beispielsweise nur 6 Monate gearbeitet, wurde zu viel Steuer abgezogen.

Du Werbungskosten hattest – Ausgaben für Arbeitsmittel, Fortbildungen oder Fahrtkosten kannst du absetzen.

Du Sonderausgaben hattest – Kirchenbeitrag, Spenden oder bestimmte Versicherungen mindern deine Steuerlast.

Du außergewöhnliche Belastungen hattest – Krankheitskosten, Behinderung oder Katastrophenschäden können absetzbar sein.

Du Alleinverdiener oder Alleinerzieher bist – Dann steht dir ein Absetzbetrag zu.

Beispiel: Rückzahlung durch Teilzeitarbeit

Anna hat von September bis Dezember einen geringfügigen Nebenjob (€500/Monat). Obwohl sie unter der Lohnsteuergrenze liegt, wurde eventuell ein kleiner Betrag einbehalten. Durch die Arbeitnehmerveranlagung bekommt sie diesen zurück.

Die wichtigsten Steuergrenzen für Nebenjobber

Diese Zahlen solltest du kennen, wenn du eine Steuererklärung für deinen Nebenjob in Österreich machst:

GrenzeBetrag 2026Bedeutung
Steuerfreies Jahreseinkommen€13.539Darunter zahlst du keine Lohnsteuer
Geringfügigkeitsgrenze€551,10/MonatGrenze für geringfügige Beschäftigung
Veranlagungsfreibetrag€730/JahrFreibetrag für selbständige Nebeneinkünfte
Werbungskostenpauschale€132/JahrAutomatisch berücksichtigt
Sonderausgabenpauschale€60/JahrAutomatisch berücksichtigt

So berechnest du dein steuerpflichtiges Einkommen

Dein Jahresbruttoeinkommen minus Sozialversicherungsbeiträge ergibt das Einkommen, auf das Steuern berechnet werden.

Beispielrechnung:

  • Hauptjob: €24.000 brutto/Jahr
  • Nebenjob (geringfügig): €6.000 brutto/Jahr
  • Gesamt: €30.000 brutto/Jahr
  • Minus SV-Beiträge (ca. 18%): €24.600
  • Steuerpflichtiges Einkommen: €24.600

Da €24.600 über dem steuerfreien Betrag von €13.539 liegt, fällt Lohnsteuer an. Die wird jedoch großteils schon vom Hauptjob abgezogen.

Wie machst du die Steuererklärung als Nebenjobber?

Die Arbeitnehmerveranlagung ist in Österreich unkompliziert. Du hast mehrere Möglichkeiten:

Option 1: FinanzOnline (empfohlen)

Die schnellste und einfachste Methode ist FinanzOnline – das Online-Portal des Finanzamts.

Vorteile:

  • Viele Daten sind bereits vorausgefüllt
  • Du siehst sofort eine Berechnung
  • Schnelle Bearbeitung (oft wenige Wochen)
  • Kostenlos

So geht’s:

  1. Registriere dich auf finanzonline.bmf.gv.at (einmalig)
  2. Wähle „Arbeitnehmerveranlagung“
  3. Prüfe die vorausgefüllten Daten
  4. Ergänze Werbungskosten, Sonderausgaben etc.
  5. Absenden

Option 2: Papierformular (L1)

Du kannst die Arbeitnehmerveranlagung auch per Papierformular machen. Das Formular L1 bekommst du beim Finanzamt oder online zum Download.

Nachteil: Längere Bearbeitungszeit und du musst alles selbst eintragen.

Option 3: Steuerberater

Bei komplexen Fällen (z.B. selbständige Nebeneinkünfte plus Anstellung) kann ein Steuerberater sinnvoll sein. Das kostet zwar Geld, verhindert jedoch Fehler.

Was kannst du als Nebenjobber absetzen?

Auch als Nebenjobber hast du Ausgaben, die du steuerlich geltend machen kannst.

Werbungskosten (Ausgaben für den Job)

Arbeitsmittel: Computer, Handy, Werkzeug – sofern du sie für den Nebenjob brauchst und selbst bezahlst.

Fortbildungen: Kurse, Bücher, Seminare, die mit deinem Nebenjob zusammenhängen.

Fahrtkosten: Wenn du für den Nebenjob fährst und keine Erstattung bekommst (Pendlerpauschale gilt nur für den Hauptarbeitsweg).

Arbeitskleidung: Typische Berufskleidung, die du privat nicht tragen würdest.

Home-Office-Pauschale: Bis zu €300/Jahr, wenn du von zuhause arbeitest.

Sonderausgaben

  • Kirchenbeitrag (bis €400/Jahr)
  • Spenden an begünstigte Organisationen
  • Bestimmte Versicherungsprämien

Außergewöhnliche Belastungen

  • Krankheitskosten (Selbstbehalt beachten)
  • Kosten bei Behinderung
  • Katastrophenschäden

Tipp: Sammle das ganze Jahr über Belege für deine Ausgaben. So vergisst du bei der Steuererklärung nichts.

Fristen für die Steuererklärung

Die Steuererklärung für Nebenjobber in Österreich hat unterschiedliche Fristen:

Bei Pflichtveranlagung

Papierformular: Bis 30. April des Folgejahres

FinanzOnline: Bis 30. Juni des Folgejahres

Für das Jahr 2025 musst du also bis spätestens 30. Juni 2026 abgeben (bei elektronischer Einreichung).

Bei freiwilliger Veranlagung

Du hast 5 Jahre Zeit. Für das Jahr 2025 kannst du die Arbeitnehmerveranlagung folglich bis Ende 2030 machen.

Tipp: Mach die freiwillige Veranlagung trotzdem zeitnah. So bekommst du dein Geld schneller zurück und vergisst keine Belege.

Häufige Fragen zur Steuererklärung für Nebenjobber in Österreich

Muss ich bei einem geringfügigen Nebenjob Steuern zahlen?

Bei nur einem geringfügigen Job (bis €551,10/Monat) und keinem anderen Einkommen zahlst du keine Lohnsteuer. Hast du jedoch zusätzlich einen Hauptjob, werden alle Einkünfte zusammengerechnet. Dann kann Lohnsteuer anfallen.

Was passiert, wenn ich die Pflichtveranlagung nicht mache?

Das Finanzamt schätzt dein Einkommen und schickt dir einen Steuerbescheid. Diese Schätzung fällt oft ungünstig aus. Außerdem drohen Säumniszuschläge. Mach die Veranlagung daher lieber rechtzeitig.

Muss ich als Student eine Steuererklärung machen?

Wenn du als Student mehrere Jobs hast oder über dem steuerfreien Einkommen liegst, ja. Oft lohnt sich die freiwillige Veranlagung allerdings auch, weil du Geld zurückbekommst.

Mehr dazu: Als Student Geld verdienen

Kann ich die Steuererklärung rückwirkend machen?

Ja, bis zu 5 Jahre rückwirkend. Wenn du in den letzten Jahren keine freiwillige Veranlagung gemacht hast, hol das nach – oft wartet eine Rückzahlung auf dich.

Wie lange dauert es, bis ich mein Geld bekomme?

Bei FinanzOnline meist 2-6 Wochen. Bei Papierformularen kann es länger dauern. Komplexe Fälle mit Nachfragen dauern entsprechend länger.

Praktische Tipps für deine Steuererklärung

1. Sammle Belege das ganze Jahr

Lege einen Ordner (physisch oder digital) für alle Belege an: Rechnungen für Arbeitsmittel, Fortbildungsnachweise, Fahrtenbuch etc.

2. Nutze FinanzOnline

Die Anmeldung ist einmalig etwas Aufwand, aber danach sparst du jedes Jahr Zeit. Viele Daten sind bereits vorausgefüllt.

3. Vergiss die Pendlerpauschale nicht

Wenn du regelmäßig zur Arbeit pendelst, steht dir möglicherweise die Pendlerpauschale zu. Diese wird oft vergessen.

4. Prüfe den Bescheid

Wenn du den Steuerbescheid bekommst, prüfe ihn genau. Bei Fehlern kannst du innerhalb eines Monats Beschwerde einlegen.

5. Hol dir Hilfe bei Unsicherheit

Die Arbeiterkammer bietet kostenlose Steuerberatung für Arbeitnehmer. Nutze dieses Angebot, wenn du unsicher bist.

Fazit: Steuererklärung für Nebenjobber in Österreich – oft Pflicht, meist lohnend

Die Steuererklärung für Nebenjobber in Österreich ist bei mehreren Arbeitgebern oder selbständigen Nebeneinkünften über €730 Pflicht. Aber selbst wenn du nicht musst, lohnt sich die freiwillige Arbeitnehmerveranlagung oft – viele bekommen nämlich Geld zurück.

Die wichtigsten Punkte:

  • Bei mehreren Arbeitgebern gleichzeitig: Pflichtveranlagung
  • Bei selbständigen Nebeneinkünften über €730/Jahr: Pflichtveranlagung
  • Steuerfreies Jahreseinkommen: €13.539
  • Frist bei Pflicht: 30. Juni (FinanzOnline) / 30. April (Papier)
  • Bei freiwilliger Veranlagung: 5 Jahre Zeit

Du suchst flexible Nebenjobs? Auf Lokali findest du Aufträge in deiner Nachbarschaft – von Nachhilfe über Gartenarbeit bis zu Umzugshilfe. Du bestimmst selbst, wann und wie viel du arbeitest.

Mehr zum Thema: Nebenbei Geld verdienen in Österreich

Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuerberatung. Bei konkreten Fragen wende dich an das Finanzamt oder einen Steuerberater.